Jingle Bells, Jingle Bells, Jingle a different way

Weihnachtsbaum, Geschenke-Shopping, Gänsebraten mit Onkel Harald: für viele läuft das Fest der Liebe jedes Jahr gleich ab. Traditionen werden akribisch abgearbeitet und meistens bedeutet die Adventszeit eher puren Stress als Entspannung. Doch wer bestimmt eigentlich, ob und wie wir Weihnachten zu feiern haben? Klar, Glühwein, Plätzchen & Co. sind toll – aber gehören eben nicht für alle dazu.

Wir haben mit Menschen gesprochen, die Weihnachten seit vielen Jahren ganz anders feiern: Lukas zieht auch mal im sonnigen September den Christmas-Sweater an. Anna hat schon als Kind beschlossen, dass sie Heiligabend alleine vor dem Fernseher eine ziemlich gute Idee findet. Und für Laura sollten Konsum- und Gesellschaftskritik besonders in dieser Zeit nicht zu kurz kommen. Hier erzählen die drei ihre Geschichten.

Lukas (27, Personalreferent, Mannheim)

1. Was macht euer Weihnachten so besonders?

Wir feiern nicht wie viele andere Menschen am 24. oder 25. Dezember, sondern auch mal im Herbst. Für uns ist Weihnachten etwas, das gefeiert wird, solange noch alle Familienmitglieder in Deutschland sind, da meine Großeltern über den Winter seit etwa 13 Jahren in Malta leben.

2. Was ist deine schönste Erinnerung in Verbindung mit deiner Art, Weihnachten zu feiern?

Wir haben tatsächlich mal gegen Ende September oder Anfang Oktober gefeiert und da war es noch richtig warm draußen. Mittags waren wir alle bei Sonnenschein und ohne Jacke im Garten, abends ging es dann nach drinnen und wir haben Weihnachtspullover angezogen. Und vor ein paar Jahren sind meine Oma und mein Opa ganz überraschend an Weihnachten im Dezember nach Deutschland gekommen. In dem Jahr gab es dann gleich zweimal Omas Plätzchen, das war natürlich toll.

3. Wieso habt ihr euch dazu entschieden, Weihnachten anders zu feiern, als es die Tradition vorschreibt?

Weihnachten ist für uns etwas Familiäres, ein Zusammenkommen, Zusammensein. Es geht uns nicht um den Tag im Kalender und hat auch nichts Religiöses – es geht einfach nur um die Familie.

4. Welchen Stellenwert nehmen Geschenke für dich an Weihnachten ein? Was denkst du zum Thema Konsum in dem Zusammenhang?

Geschenke sind natürlich auch bei uns immer ein Thema. Wir haben schon unterschiedliche Varianten ausprobiert: Wichteln, nur Geschenke bis zu einem gewissen Wert oder eben gar nichts. Tatsächlich haben aber alle Konzepte nicht so richtig geklappt. Wenn wir etwas Schönes sehen, das jemandem gefallen könnte, dann geht es ja auch darum, dieser Person eine Freude zu machen – egal ob das Geschenk total günstig oder teuer war. Uns geht es um den persönlichen Gedanken und eher um Qualität als Masse.

5. Welche Weihnachtstradition sollte abgeschafft werden?

Was meiner Meinung nach definitiv abgeschafft werden sollte, sind Weihnachtsbäume. Zum Fällen echter Bäume gibt es mittlerweile so gute Alternativen, sogar aus recyceltem Plastik. Für uns ist das sowieso ein Thema, da wir ja meistens zu einer Jahreszeit feiern, in der es noch gar keine echten Weihnachtstannen zu kaufen gibt. Daher haben wir eine künstliche Variante und die sieht trotzdem immer wunderschön aus.

6. Was wünschst du dir dieses Jahr zu Weihnachten?

Was ich dieses Jahr schon bekommen habe und über die Adventszeit noch aufstellen werde, ist ein Lebkuchenhaus zum Zusammenbauen. Mein größter nicht-materieller Wunsch ist, dass die Menschen, die letztes Jahr in der schweren Lockdown-Zeit nicht mit ihrer Familie feiern konnten, es zumindest dieses Jahr irgendwie tun können.

 

Anna (33, PR & Communications Professional, Berlin)

„Meine Schwester ist zehn Jahre älter als ich und hat, als ich noch ganz klein war, Postkarten mit lustigen Sprüchen gesammelt, wie sie immer in Bars rumliegen. Sie hatte einen ganzen Schuhkarton voll davon. Als ich etwa sechs oder sieben Jahre alt war, hab ich darin herumgeschnüffelt und eine Postkarte gefunden, auf der stand: Singles an Weihnachten – alleine vor dem Fernseher. Die Idee hat mich komplett fasziniert und wurde zu einem Wunsch: Stell dir mal vor, du musst an Weihnachten nirgendwo hingehen, zu keinem Essen oder sonst was, und kannst einfach vor dem Fernseher sitzen und machen, was du willst. Natürlich hat das, solange ich bei meinen Eltern wohnte, nicht funktioniert. Als ich aber dann für mein letztes Studienjahr nach Berlin zog, dachte ich mir: Jetzt ist die Zeit gekommen, der Postkartenwunsch kann Realität werden! Meine Eltern waren davon jedoch nicht so begeistert wie ich – und so ging es dann erst doch wieder in die Heimat. Dort benahm ich mich dann frühzwanziger-rebellisch so daneben, dass ich meiner Mutter (die es bis heute bereut) folgenden Satz entlocken konnte: Okay, Anna, also wenn du wirklich nicht mehr kommen möchtest, dann musst du das auch nicht.

Dem Traum aus Kindheitstagen stand nichts mehr im Wege. Seitdem, also seit etwa acht Jahren, feiere ich Weihnachten in meiner neuen Heimat Berlin. Neue Traditionen sind entstanden. Anfangs hieß das Essen mit Freund*innen und Tanzen im Club, später indisches Bestellessen mit meinen Katzen bei „Kevin allein zu Haus“ Teil 1 und 2 und danach ein Trip nach Kreuzberg zu Freunden mit Kneipenbesuch. 2020 war das nicht möglich – Video Calls ersetzten das sonstige Feierprogramm. Und 2021? Ich weiß es noch nicht. Was ich aber weiß: Ich liebe meine eigene, eigensinnige Tradition zu Weihnachten, inspiriert von dieser einen Kindheits-Anna faszinierenden Postkarte – es ist eine selbst getroffene Entscheidung, die ich nicht bereue.“

 

Laura (27, Kulturwissenschaftlerin, Freiburg)

1. Was macht euer Weihnachten so anders?

Bei uns ist das Besondere das Nicht-Besondere: Für uns hat Weihnachten weder familiär eine große Bedeutung, noch sind wir religiös. Es geht bei uns auch um das Beisammensein, nur eben ohne Weihnachtsbaum, traditionelles Essen oder Weihnachtsmusik. Seit einigen Jahren laden meine Mutter und ich Freund*innen zum Essen bei uns ein, die an dem Tag sonst alleine wären.

2. Was ist deine schönste Erinnerung an euer besonderes Weihnachten?

Letztes Jahr haben meine Mutter und ich uns dazu entschieden, die Feiertage jeweils alleine zu verbringen. Ich lebe in Süddeutschland und sie im Norden, und wir wollten uns und andere nicht durch das Hin- und Herfahren gefährden. Also haben wir an Heiligabend per Videocall zusammen Rouladen gekocht. Das war so entspannt und hat viel Spaß gemacht – und das, obwohl die Umstände natürlich alles andere als schön waren.

3. Wieso habt ihr euch gegen die Weihnachts-Norm entschieden?

In meiner Kindheit wurde bei uns noch relativ klassisch als Familienfest mit der Verwandtschaft gefeiert. Als Jugendliche wurde ich dem Ganzen gegenüber immer kritischer. Damals hat sich auch unsere Familiensituation verändert und meiner Mutter waren Feiertage noch nie wichtig.

Pfingsten oder Ostern sind für uns übrigens Tage wie jeder andere, da gibt’s noch nicht mal Ostergrüße.

4. Was ist deine Meinung zu Geschenken an Weihnachten?

Konsum ist für mich allgemein ein großes Thema. Das fängt an Weihnachten schon beim Geschenkpapier an, das oft nicht recycelt werden kann. Früher hab ich meinen Vater belächelt, weil er seine Geschenke in Zeitungspapier verpackte – bis ich gemerkt habe, wie genial das eigentlich ist. Ich benutze dafür inzwischen Schals oder Tücher. Das ist nachhaltig und bleibt trotzdem eine Überraschung. Mir selbst sind Geschenke nicht wichtig, aber ich schenke sehr gerne anderen Menschen praktische Dinge, die sie gut gebrauchen können. Wobei brauchen natürlich immer relativ ist.

5. Welche Weihnachtstradition sollte abgeschafft werden?

Auf jeden Fall der gesellschaftliche Zwang, mit gewissen Leuten zusammen sein zu müssen oder etwas Bestimmtes vorzuhaben. Ich wünsche anderen auch nicht mehr „schöne Feiertage“, sondern viel lieber „schöne freie Tage“ – schließlich feiern nun mal nicht alle Menschen Weihnachten. Ich würde mich auch freuen, wenn es mehr Freiräume für nicht christlich-geprägte Menschen gäbe.

6. Was ist dieses Jahr dein größter Wunsch zu Weihnachten?

Ich wünsche mir einfach ein paar ruhige Tage. Und vielleicht noch ein Rouge, das ich mir sonst nie selbst kaufen würde. Ich denke, das werde ich mal meiner Mama sagen, denn das zu kaufen, überlege ich mir schon seit einigen Monaten.

 

Auch wir feiern dieses Jahr auf eine andere Art: Mit unserem The New Normal Adventskalender möchten wir dem Konsumwahn zu Weihnachten ein Ende bereiten und wieder mehr Wertschätzung in diese Zeit bringen. Anstelle von 24 Türchen gibt es bei uns nämlich bloß sechs: Zu jedem Adventssonntag, an Heiligabend und zum neuen Jahr darf jeweils ein natürliches, veganes und klimaneutrales Produkt in voller Größe entdeckt werden. Und weil schenken Spaß macht, geht ein Teil der Erlöse an unser Wasserschutzprojekt mit Viva von Aqua e.V.

Bei uns lautet die Christmas-Devise: Mehr Liebe, weniger Konsum! Und ganz egal, ob und wie ihr die Adventszeit verbringt: Tut euch was Gutes und lasst dieses verrückte Jahr mit ganz viel Entspannung ausklingen. Das habt ihr euch verdient.

Geschrieben von: Lena Benzrath

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