THE NEW NORMAL ON SOCIAL FRIDAY

Wir stellen vor…

das Duschmobil für obdachlose Frauen in Berlin

Black Friday, Cyber Week oder Singles Day: Der November ist der Monat der Rabattschlachten, aus denen vor allem der eigene Geldbeutel nicht unverletzt herauskommt. Wir haben darum auch diesen Monat zum Anlass genommen, um alte Traditionen zu überdenken und The New Normal zu etablieren. Warum? Weil wir finden, dass diese Tage viel sozialer sein sollten. Denn Konsum hat die Kraft, die Welt zu verändern. Statt uns also ins digitale Gewühle zu schmeißen und Dinge zu kaufen, die man eigentlich gar nicht braucht, haben wir die Social Friday Weeks eingeführt. Gutes kaufen und Gutes tun – es klingt so einfach, wie es ist. Lasst uns gemeinsam mehr bewirken!

Für jeden vom 12. – 28. November getätigten Kauf spenden wir eine Seife an Obdachlosenorganisationen, die sich für den würdevollen Zugang zu Hygiene stark machen. Eine dieser Organisationen möchten wir euch heute vorstellen. Wir haben mit Ella und Tabea, Sozialarbeiterinnen für den Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Berlin (SkF) beim „Duschmobil für Frauen“, über die Idee des Projektes und die Situation obdachloser Frauen in Deutschland gesprochen.

Erklärt einmal kurz: Was ist das Duschmobil überhaupt?

Das Projekt „Duschmobil“ ist ein niedrigschwelliges Angebot in der frauenspezifischen Wohnungslosenhilfe im Rahmen der aufsuchenden Straßensozialarbeit. Wohnungs- und obdachlose Frauen werden mit dem Duschmobil auf Berlins Straßen und Plätzen erreicht, an welchen sie leben oder sich zeitweise aufhalten. Das Duschmobil soll ein Schutzraum für obdachlose Frauen auf der Straße sein und ihnen die Möglichkeit bieten, in Ruhe zu duschen, sich zu sortieren und frische Kleidung zu erhalten, ebenso wie Hygieneartikel wie Zahnbürsten, Masken und Tampons.

Wie ist die Idee für das Duschmobil entstanden und wieso habt ihr euch dafür entschieden, dieses ausschließlich für Frauen zu eröffnen?

Ein privater Spender, Matthias Müller von Workerfashion, wurde vom Pariser Vorbild MOBIL’douche inspiriert, baute daraufhin in Eigenarbeit ein Auto in das jetzige Duschmobil um und übergab es 2019 dem SkF Berlin zur Betreibung. Wir wollen Frauen unsere Hilfsangebote nahebringen, die bislang noch nicht wissen, wo sie Hilfe bekommen können. Außerdem erhalten sie von uns eine Grundversorgung soweit möglich. Dazu bieten wir eine Schutzzone und einen Raum für Ruhe und Erholung vom oft lebensgefährlichen und vor einem von Übergriffen und Kälte geprägten Alltag. Frauen sind bei einem Leben auf der Straße der ständigen Gefahr von physischer, insbesondere sexueller, und psychischer Gewalt ausgesetzt.

Wie sieht ein Tag mit dem Duschmobil aus?

Bevor die Tour mit dem Duschmobil starten kann, muss der Frischwassertank aufgefüllt und das Abwasser abgelassen werden. Dazu fahren die Sozialarbeiterinnen einen Campingplatz an. Sobald der 270 Liter-Tank gefüllt ist, geht es zur Tagesstätte vom SkF, um Spenden wie frische Unterwäsche, Socken und Shampoo abzuholen. Vollgepackt werden nun die jeweiligen Standorte angefahren, welche immer aktuell auf unserer Website einzusehen sind. Am Standort besteht nun für die Frauen die Möglichkeit zu duschen, Beratung in Anspruch zu nehmen und wichtige Hygieneartikel zu bekommen. Nach dem Duschgang wird alles gereinigt und desinfiziert und die Dusche steht bereit für die nächste Besucherin.

Weshalb ist eure Arbeit so wichtig? Was ermöglicht ihr den Frauen, die zu euch kommen?

Durch die Niedrigschwelligkeit des Projektes werden viele Hürden abgebaut. Die Frauen müssen keine Vorbedingungen erfüllen oder in besonderer Weise mitwirken. Jede kann das Angebot des Duschmobils nutzen. Das ist so wichtig, weil sie an den Orten aufgesucht werden, an denen sie sich aufhalten und somit Wege zu Hygiene-Einrichtungen entfallen. Die Besucherinnen können durch die Nutzung der Dusche mit den Sozialarbeiterinnen in Kontakt treten und allmählich ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Grundlegendes Ziel ist es, den Frauen ein gutes Leben während der Obdachlosigkeit zu ermöglichen und ihnen Hilfe anzubieten, aus ihrer Situation herauszukommen. 

Erzählt uns von einem besonderen Moment bei eurer Arbeit mit dem Duschmobil.

Es gibt viele berührende Momente, die wir mit den unterschiedlichsten Frauen im Duschmobil erleben. Schön ist, wenn Besucherinnen sichtlich erfrischt aus der Dusche steigen und sich in ihrem Körper wieder wohlfühlen. Dann spüren wir, wie ihr Selbstbewusstsein zurückkehrt. Das ist für uns die größte Freude. Wenn die Besucherin möchte, verbringen wir anschließend noch Zeit mit ihr im Auto und bieten ihr das Gespräch an. Wasser, Würde, Wohlbefinden – das ist das Motto vom Duschmobil und genau das möchten wir unseren Besucherinnen ermöglichen.

Wie ist die Situation von obdachlosen Frauen in Deutschland und wird eurer Meinung nach genug getan, um obdachlose Menschen zu unterstützen und zu schützen?

Aufgrund verdeckter Obdachlosigkeit und den damit einhergehenden Zweckgemeinschaften, in denen sexuelle Übergriffe leider keine Seltenheit sind, ist es besonders wichtig, die frauenspezifische Wohnungslosenhilfe in den Fokus zu rücken. Präventionsangebote sollten die erste Maxime jeglichen Handelns sein. Aber auch der nicht vorhandene bezahlbare Wohnraum ist ein Problem. Hier besteht großer Handlungsbedarf. Zudem sollte es mehr bedarfsgerechte und frauenspezifische Angebote geben, die bereits bestehenden müssen ausgebaut werden. Und Frauen sollten dafür sorgen, dass sie bei gemeinsamem Einzug mit dem Partner einen gemeinsamen Mietvertrag erhalten, sodass sie bei Trennung nicht die ersten sind, die die Wohnung verlieren. Außerdem müssen Jobs im Niedriglohnsektor besser bezahlt werden damit ausreichend Geld vorhanden ist, um eine Wohnung anmieten und gut leben zu können.

Was sind eure Tipps, wie jede*r einzelne von uns dazu beitragen kann, die Situation von bedürftigen Menschen zu verbessern?

Es sind die alltäglichen Dinge, die so wichtig sind. Begegne dem Menschen auf Augenhöhe und schau nicht weg. Wenn du etwas geben möchtest, frag nach, was die Person gerade gebrauchen kann. Vielleicht ist es ein Brötchen oder Kleidung, vielleicht aber auch Bargeld. Viele Menschen freuen sich auch einfach über ein freundliches „Hallo“ oder ein Gespräch. Aber gerade jetzt in der kalten Jahreszeit ist es umso wichtiger, aufmerksam zu sein. Wenn du einer obdachlosen Person begegnest, der es dem Anschein nach nicht gut geht, erkundige dich, ob sie ansprechbar ist. Frag, ob Hilfe notwendig ist. Ein Wärmebus kann die Person, wenn sie möchte, in eine Notübernachtungsschlafstelle bringen. Wenn die angesprochene Person nicht reagiert, leiste erste Hilfe und rufe einen Krankenwagen. Auch Spenden an Obdachloseneinrichtungen können helfen. Frag vorher am besten nach, ob und was benötigt wird und spende nur Sachspenden in einer Qualität, die du auch selbst annehmen würdest.

Du möchtest auch helfen oder dich weiter informieren? Weitere Infos findest du auf www.duschmobil.de

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