Water connects to everything

Interview mit Daniella Bostrom Couffe, Communications Manager UN-Water 

Seit 1990 besteht das Ziel von UN-Water in der Koordination aller Wasser- und Sanitärprogramme der gesamten Vereinten Nationen zur Sicherstellung des weltweiten Zugangs zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen für alle. 

Bis heute haben dank UN-Water 2,6 Milliarden Menschen Zugang zu verbessertem Trinkwasser erhalten. Trotzdem gibt es noch viel zu tun: Noch heute haben 30% der Weltbevölkerung kein sicheres Trinkwasser und 60% keine oder eine den sanitären Ansprüchen unzureichende Toilette. Einer der Gründe für diese großen Herausforderungen liegt darin, dass Wasser bisher nicht ganz oben auf der globalen Agenda stand. Deshalb wird von UN-Water jährlich am 22. März der Weltwassertag gefeiert. In diesem Jahr dreht sich dabei alles um das Thema „Water for Nature“. 

Interview

Was ist das Hauptziel von UN-Water? 

UN-Water koordiniert die Arbeit aller Wasser- und Sanitärprogramme der gesamten Vereinten Nationen. Das ultimative Ziel ist die Sicherstellung des weltweiten Zugangs zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen für alle Menschen sowie die nachhaltige Verwaltung unseres Wassers.  

Was sind die wichtigsten Errungenschaften von UN-Water bis heute? 

Seit 1990 haben 2,6 Milliarden Menschen Zugang zu verbessertem Trinkwasser erhalten. Die Länder mussten dabei enorme Anstrengungen unternehmen, um dies gewährleisten zu können. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Noch heute haben 30% der Weltbevölkerung kein sicheres Trinkwasser und 60% keine oder eine den sanitären Ansprüchen unzureichende Toilette. Eine weitere große Herausforderung ist die weltweite nachhaltige Wasserversorgung: Wie stellen wir bei wachsender Bevölkerung und einem 70%-igem Anteil des weltweiten Wasserverbrauchs für Landwirtschaft sicher, dass dies auch funktioniert? Einer der Gründe für diese großen Herausforderungen liegt darin, dass Wasser bisher nicht ganz oben auf der globalen Agenda stand. Deshalb hat UN-Water zuletzt dafür gesorgt, dass die nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung oberste Priorität genießt. Die Agenda ist ein Aktionsplan für alle UN-Mitgliedsländer, um die Welt gerechter und nachhaltiger zu machen. 

Was war der Grundgedanke hinter dem Weltwassertag? 

Die Hauptidee des Weltwassertages ist die Aufklärung der Menschen über Wasserprobleme. Nur so können Maßnahmen für die Veränderungen ergriffen werden. Im Laufe der Jahre hat sich der Tag aber auch zu einem internationalen Festtag entwickelt, an dem in vielen Ländern der Welt zahlreiche Veranstaltungen stattfinden.  

Was ist für den Weltwassertag 2018 und in Zukunft geplant? 

Der Weltwassertag stellt jedes Jahr ein anderes Thema in den Fokus. Dies ermöglicht es den Menschen, sich intensiv mit einem bestimmten Thema auseinanderzusetzen. In diesem Jahr dreht sich alles um das Thema Natur. Wussten Sie beispielsweise, dass wir mit Beispielen aus der Natur bereits viele aktuelle Wasserprobleme lösen können? Dazu haben wir einige Veranstaltungen geplant, unter anderem für das Weltwasserforum in Brasilien oder für das UN-Hauptquartier in New York, wo wir eine Fotoausstellung zeigen werden. Nächstes Jahr steht das Thema Wasser und sanitäre Einrichtungen als Menschenrecht für Flüchtlinge im Fokus, und im Jahr 2020 werden wir über Wasser in Bezug auf den Klimawandel sprechen.  

Glauben Sie, dass die Menschen sich Problemen wie Knappheit oder Dürre wirklich bewusst sind? Wird darüber schon genug gesprochen? 

Ich denke, es kommt darauf an, wen man fragt. Jemand aus einem Land, in dem Dürre herrscht, wie beispielsweise Afrika oder dem Nahen Osten, wird sich der Probleme sehr wohl bewusst sein. Jemand aus Nordeuropa hingegen, aus einem Land mit viel Wasser, wird wahrscheinlich weniger darüber nachdenken. Ich denke, vielen Menschen haben noch nicht das Verständnis dafür entwickelt, das Wasser alles verbindet. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Wenn Haushalte Zugang zu Wasser haben, bedeutet dies automatisch, dass Kinder zur Schule gehen können statt stundenlange Fußmärsche hinter sich legen zu müssen, um die Familie mit Wasser zu versorgen. Das bedeutet auch, dass Frauen weniger Zeit mit der Wasserversorgung verbringen müssen und diese Zeit für die Ausübung ihrer Arbeit nutzen können. Oder wenn Haushalte Toiletten haben, dann hat das nicht nur eine Auswirkung auf die Menschenwürde, sondern auch auf die Gesundheit und Sicherheit. Denn so müssen Familienmitglieder keine verschmutzten Toiletten mit der Gemeinschaft teilen oder ihre Notdurft gar im Freien verrichten. Denn die Verrichtung der Notdurft im Freien stellt nicht nur aufgrund der Bakterien durch menschliche Abfälle ein Problem dar, sondern bedeutet zusätzlich ein ernstzunehmendes Gefahrenpotenzial für Frauen: Viele Frauen ohne Zugang zu sicheren Toiletten warten häufig bis es dunkel wird um dann in Gruppen gemeinsam ihre Notdurft zu entrichten – das müssen Sie wiederum tun, um sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen. 

Wasser ist Ihr tägliches Geschäft, was bedeutet Wasser für Sie persönlich? 

Wasser liegt mir sehr am Herzen, da ich mich schon seit geraumer Zeit mit diesem Thema beschäftige. Ich versuche meinen Kindern beizubringen, wie glücklich wir uns schätzen können in einem Land zu leben, in dem wir Zugang zu Wasser und Toiletten haben und in dem es genug Wasser gibt, um unsere Nahrung anbauen zu können. Und ich versuche, sie über die Ungleichheiten aufzuklären, die durch Wasser entstehen. Beispielsweise für Mädchen und Frauen, Flüchtlinge, Indigene oder Menschen mit Behinderungen.  

Welcher Wasser-Fakt bereitet Ihnen am meisten Sorgen? 

Schwierige Frage. Wir haben gerade eine ganzjährige Kampagne zum Thema Abwasser abgeschlossen. Die Tatsache, die mich dabei am meisten beunruhigt ist, dass 80 % unseres Abwassers unbehandelt in die Umwelt gelangen. Dies verursacht eine Umweltverschmutzung, deren Folgen und Ausmaße wir noch nicht einschätzen können.  

Was tun Sie persönlich, um Wasser zu sparen? 

Man kann immer noch mehr tun. Aber ich versuche täglich kleine Dinge zu beachten: Ich drehe beim Zähneputzen den Wasserhahn ab, dusche häufiger als zu baden und trinke selten Wasser aus Flaschen. Diesen Frühling habe ich ein Familienprojekt geplant: Wir werden eine Wasserpumpe installieren, mit der wir unsere Pflanzen mit Regenwasser statt Leitungswasser gießen können. Meine Kinder werden es lieben.  

Was halten Sie von Kampagnen wie #WATERLOVER? 

Ich denke, dass alle Kampagnen, die sich für die nachhaltige Versorgung mit sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen einsetzen, wichtig sind. 

Würden Sie sich selbst als #WATERLOVER bezeichnen? 

Ja. Wir sollten unser Wasser lieben und schützen.  

Welche Schlagzeile über Wasser möchten Sie in Zukunft lesen? 

WASSER UND SANITÄRE EINRICHTUNGEN FÜR ALLE! 

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