The Jungle of Samos

THE JUNGLE OF SAMOS - A STORY ABOUT REFUGEES, CAMPS AND GLIMMERS OF HOPE 

Samos aka die „Grüne Insel“ verzaubert mit Sandstränden, typisch griechischen Tavernen und einer atemberaubenden Landschaft. Doch sie ist nicht nur das bekannte Urlaubsparadies. Mit einer Entfernung von weniger als zwei Kilometern zur Türkei ist die Insel für viele Geflüchtete die erste Anlaufstelle auf ihrem Weg in die vermeintlich sichere EU. 

Die ersten erreichten Samos im Jahr 2016 und innerhalb kürzester Zeit folgten so viele, dass die Behörden schnell den Überblick verloren. Das errichtete Flüchtlingslager für 650 Menschen außerhalb von Samos-Stadt, nahe dem kleine Ort Vathy, war im Handumdrehen voll und so suchten Neuankömmlinge nach Alternativen. 

Wir spulen vier Jahre vor. Rund um das offizielle Camp errichteten sie sich über die Jahre ihr eigenes Lager, das es offiziell gar nicht gibt. Sie selbst nennen es: „The Jungle“.   

WELCOME TO THE JUNGLE 

Der Name kommt nicht von ungefähr – während sich UrlauberInnen quasi um die Ecke am Sandstrand erholen, leben die BewohnerInnen dort oben auf dem Berg über Vathy in teilweise menschenunwürdigen Zuständen mit mangelnder Grundversorgung. Aus Plastikplanen, Steinen und was sie sonst noch so finden, bauen sie sich Zelte und Hütten. Manchmal verleiht ein kleiner Blumengarten in der Ecke der Unterkunft einen Hauch an Würde. 

Nichtsdestotrotz sind die BewohnerInnen der Hitze im Sommer schutzlos ausgeliefert. Im Winter hingegen wird das Camp immer häufiger von Regenfällen, Wind und Stürmen heimgesucht, der Boden wird rutschiger und gefährlicher. Damit klarkommen müssen sie selbst. 

Und auch ein weiteres Bild prägt diese humanitäre Katastrophe mitten in Europa: Müllberge. Hier türmt sich alles von Einmalplastik bis Schrott – und dazwischen tummelt sich gerne auch mal Ungeziefer. Ratten, Skorpione und Schlangen haben sich den selbsternannten „Dschungel“ zu Eigen gemacht. Der Zugang zu Wasser oder sanitären Anlagen ist kaum gegeben und wenn, sind letztere teils enorm verschmutzt, manchmal kaputt und man erreicht sie erst nach langem Anstehen. Generell trifft es die Kinder unter den CampbewohnerInnen meist besonders hart: Sie machen rund ein Drittel der BewohnerInnen aus und sind besonders anfällig für Krankheiten, wie eine bakteriellen Hauterkrankung namens Impetigo. 

 A LACK OF EVERYTHING 

Laut Berichterstattungen handelt es sich aufgrund der Überfüllung nicht nur bei Wasser um Mangelware, sondern es fehlt auch an Kleidung und Hygieneartikeln wie Windeln, Seifen oder Desinfektionsmittel. All das hat auf den „Wunschlisten“ für Sachspenden von NGOs einen festen Platz eingenommen. 

Das Gleiche gilt für’s Essen: Nährstoffreiches Obst reicht nicht für alle, andere Lebensmittel sind abgelaufen oder ungenießbar. So bleibt den BewohnerInnen oft nichts anderes übrig als außerhalb des Camps einzukaufen, mit EU-finanzierten Bargeldhilfen von 75 € monatlich für Singles bis 245 € für eine Familie ab sechs Personen. Mit Campingkochern oder auf offenen Feuerstellen bereiten sie ihr Essen selbst zu – was bereits zu verheerenden Bränden geführt hat. Nicht zu vergessen der gesundheitliche Zustand: von Traumen über Depressionen bis hin zu Gewalt aufgrund der Frustration. Für das ganze Camp gibt es laut Samos Volunteers lediglich einen Arzt und einen Psychologen, das örtliche Krankenhaus ist seit Jahren überfordert – seit COVID-19 noch viel mehr. 

COVID-19 – THE NEXT CRISIS 

Die Pandemie beeinflusst auch die Abläufe bei Asylgesuchen. Sie verzögern sich und so können Monate oder sogar Jahre vergehen, bis eine Entscheidung getroffen wird. Auch kommt es immer wieder zu Spannungen mit den Einheimischen. Als das EU-Türkei-Abkommen beschlossen wurde, hatten sie kein Mitspracherecht und erhielten nur wenig bis gar keine Unterstützung, um ihre Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Außerdem wurden auch sie als Urlaubsinsel von COVID-19 hart getroffen. Immer wieder gibt es Proteste, dass abgegrenzte Lager errichtet oder ganz aufs Festland verlagert werden sollen. 

Laut einem Bericht der taz soll genau das auf Samos jetzt geschehen. Die ersten Bilder des neuen Camps gibt es schon: Es liegt außerhalb von Samos-Stadt und anderen Dörfern, sodass die BewohnerInnen einen noch weiteren Weg auf sich nehmen müssen, wenn sie Lebensmittel einkaufen oder einfach einmal raus möchten. Es ist mit Stacheldraht eingezäunt, mit Überwachungskameras ausgestattet und Sicherheitskräfte werden die Ein- und Ausgänge kontrollieren. Hört sich ein wenig nach Hochsicherheitsgefängnis an … 

 A GLIMMER OF HOPE 

Trotz aller Widrigkeiten gibt es Hoffnung. So haben es die BewohnerInnen geschafft, sich zwischen all dem Chaos über Monate eine kleine Infrastruktur aufzubauen: Ein Bäcker verkauft Fladenbrote, es gibt einen Friseur und eine Art Markt. Aus Gerümpel wie alten Autoreifen und mit Sand gefüllten Plastikflaschen haben sie sich ein Fitnessstudio errichtet. Ein Chor singt in der Kirche, die Muslime beten in ihrer Moschee. 

Ebenfalls vor Ort: Hilfsorganisationen wie Samos Volunteers. Neben ca. vier weiteren NGOs, wie Ärzte ohne Grenzen, versuchen sie mit aller Kraft, den BewohnerInnen das Leben ein wenig angenehmer zu machen. Außerhalb des Camps errichteten sie ihr Alpha Center. Hier gibt es psychosoziale Unterstützung für die Geflüchteten, Bildungsangebote für Kinder und kostenlose Sprachkurse. In der Community Area kann man sich bei einer Tasse Tee unterhalten, Brettspiele spielen, Bücher lesen oder das Handy aufladen, um ein wenig den Kontakt zur Familie zu Hause zu halten. Außerdem stellt die NGO den BewohnerInnen eine professionelle Wäscherei zur Verfügung, gratis. 

Auch werden privat oder von verschiedenen NGOs immer wieder Fundraising- und Sachspendenaktionen gestartet. Mit unserer THE SOCIAL SOAP BOX Initiative möchten auch wir unseren Beitrag leisten: Gemeinsam mit dem Hamburger Non-Profit Designstudio NOT FOR YOUR DISTINCTION e.V. entstanden so nicht nur Seifenboxen aus unseren firmeneigenen recycelten Plastikabfällen. Jede davon ist ein Unikat und pro verkaufter Box gehen 30 Seifenspenden direkt nach Samos. Zudem konnten wir aufgrund der Hilfe unserer Markenfreunde von Beiersdorf AG und Klar Seifen GmbH bereits im Sommer 7.000 Stückseifen als Soforthilfe spenden – because every soap counts. 

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