WHY WE SHOULD ALL START TO UNF*** OUR LIVES

Öko-Ratgeber? Mögen wir besonders gerne ohne erhobenen Zeigefinger! Genau so einen haben Nachhaltigkeitsexperten Thekla Wilkening und Robin Haring mit „Das Bio-Pizza Dilemma. Der überraschende Wegweiser zu mehr Nachhaltigkeit“ jüngst veröffentlicht. Warum wir Nachhaltigkeit dringend in unser Leben integrieren sollten und wieso wir uns dabei nicht mal verbiegen müssen, erzählt uns Thekla als Gastautorin auf unserem Blog.

 

IN PIZZA WE CRUST

Seit Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Nachhaltigkeit und der Umwelt- und Klimakrise. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass Freund*innen bestimmte Fragen oft sehr, sehr leise oder ausweichend beantwortet haben. In der Regel ging es dabei um das Thema Konsum, mit dem sie wohl ein schlechtes Gewissen verbanden. Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob dieses schlechte Gewissen nur mir gegenüber vorhanden war oder dieses sie immer begleitete - aber für mich stand fest: So konnte es nicht weitergehen. Ich wollte nicht mehr jedes Mal, wenn sich Freund*innen einmal mehr einen „letzten“ Coffee-to-Go im Wegwerfbecher geholt oder die Unterwäsche „nur nochmal, weil sie so gut sitzt“ beim Fast-Fashion—Filialisten gekauft hatten, einfach nur antworten: „Das ist völlig okay“. Denn in Wahrheit ist es das nicht. Auch wenn der Grund nur so klein ist wie ein Einwegbecher.

Dass diese kleinen, feinen Konsumentscheidung manchmal aber auch einfach glücklich machen, kenne ich nur zu gut. Und weil’s genau hier kompliziert wird, haben mein Partner Robin Haring und ich schließlich unser erstes B uch, “Das Bio-Pizza Dilemma” geschrieben.

Denn was sollen wir sagen? Unsere individuellen Konsumentscheidungen spielen nun mal eine Rolle – wenn auch nur eine sehr kleine. Denn vermutlich wissen wir es mittlerweile alle: unser wesentlich größeres Problem ist unsere allgemeine Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Diese allein verbrauchen das gesamte, uns noch verbleibende CO2-Budget bis zum 1,5-Grad-Ziel. Das sind so ziemlich genau 846 Gigatonnen. Dies zu ändern, liegt in den Händen der Politik: “Eine volkswirtschaftlich verträgliche und mit den internationalen Klimaschutzzielen kompatible Minderung der Treibhausgasemissionen lässt sich nur mit einem Kohleausstieg bis etwa 2030 realisieren“, schreiben die Scientists for Future. Was ist also die logische Konsequenz? Genau, um diese Bewegung zu unterstützen können wir demonstrieren gehen, Petitionen unterschreiben, die diese Entscheidungen fordern und damit unsere Kraft als Bürger*innen nutzen und Aktivist*innen werden.

 

Soweit so klar. Aber:  

Unsere individuellen  n haben einen Einfluss auf uns und unsere Umwelt  – auch wenn sie die Klimakrise nicht aufhalten können. Gerade deshalb sollten wir sie möglichst bewusst treffen.  Und wir brauchen eine Politik, die die Treibhausgasemissionen bremst. Jetzt und sofort.

Die Klügeren gehen voran! Denn wie lange kommen sie mit ihrem Spiel auf Zeit noch durch, die Menschen in den Regierungsreihen, wenn wir Bürger*innen mit guten Beispielen zeigen was eigentlich alles geht? Da liegt unsere Kraft. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle tief in uns drin durchaus ein gutes Gespür dafür haben, welche Entscheidungen wir vertreten können und wann es besser ist, zu verzichten. Dazu muss dann auch keine*r Freund*in sein okay geben.

 

MY OAT MILK FREES ALL THE COWS FROM THE YARD…

Allerdings lenkt uns das konstant steigende Greenwashing in fast allen Industrien zunehmend von unserer eigenen Intuition ab. So gibt es heute Diskussionen darüber, ob Mandel-, Soja- oder Hafermilch nun die beste Alternative zur Kuhmilch ist. Und die Frage nach dem „richtig oder falsch“ macht unfassbar müde. Denn wenn ich mich nun für die Sojamilch entschieden habe, die Hafermilch aber besser gewesen wäre – habe ich dann überhaupt etwas gewonnen?

Ja, natürlich habe ich dadurch etwas gewonnen. Denn ich habe abgewägt und eine bewusste Konsumentscheidung getroffen und mich dabei auf mein Bauchgefühl verlassen. Und genau dieses müssen wir wieder zurückgewinnen. Denn es sagt uns, dass Fahrradfahren nun mal grundsätzlich etwas Gutes ist. Oder dass Plastik nur dann gut ist, wenn es für dauerhaft haltbare Dinge gedacht ist. Oder dass die Entscheidung zwischen Soja- und Hafermilch erst einmal Latte ist, solange ich nur die Kuh aus dem Spiel lasse.  

 

„TOLD YOU SO“ – SINCERELY, YOUR INTUITION

Doch wie können wir zu dieser Intuition zurückkommen? Folgende drei Schritte würde ich dabei empfehlen:

  1. Lege dir ein Konsumtagebuch an und schreibe alles auf, was du kaufst und warum – und wie du dich dabei gefühlt hast.
  2. Du konsumierst Produkte, bei denen du kein gutes Gefühl hast, was die tatsächlichen Nachhaltigkeitsbestrebungen sind? Schreibe der Firma eine Mail, eine Nachricht auf Social Media oder greife direkt zum Hörer und frage, warum du nicht erkennen kannst, ob das nun ein nachhaltiges und fair produziertes Produkt ist oder nicht. Nachfragen hilft immer und du wirst schnell merken, ob du das Produkt weiter konsumieren möchtest.
  3. Sprich mit deinen Freund*innen. Und zwar nicht nur darüber warum es so schwer ist, nachhaltig zu leben, sondern auch einfach darüber, was für nachhaltige Konsumentscheidungen du gerade triffst. Was du gerade Neues probierst welche Produkte du entdeckt hast, oder was dich interessiert – alles ist erlaubt, solange du versuchst dabei positiv zu bleiben. Denn nur dann, kannst du andere dazu inspirieren dir nachzuziehen und bleibst auch selbst motiviert.

Fakt ist: Mit unseren individuellen Konsumentscheidungen  allein werden wir es nicht schaffen, das CO2-Budget einzuhalten. Dafür müssten Industrie und Politik einen sofortigen Ausstieg aus fossiler Energie beschließen und umsetzen. Und trotzdem können wir mit unseren Konsumentscheidungen einiges bewirken. Zum Beispiel, dass die von Menschen gemachten, schädlichen Stoffe oder Materialien  auf unserer Welt weniger werden. Denn weniger wird in Zukunft immer mehr bedeuten. Und das bedeutet nicht verzichten, sondern eben bewusst und intuitiv auswählen. Am Ende ist es doch ein bisschen wie beim Knutschen: Da ist ein richtig guter Kuss auch besser als viele belanglose.

„Das Bio-Pizza Dilemma. Der überraschende Wegweiser zu mehr Nachhaltigkeit“ von Thekla Wilkening und Robin Haring ist ab sofort erhältlich unter: https://www.mvg.de/redline/shop/article/21492-das-bio-pizza-dilemma/

 

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